Bau(Zustands)-Dokumentation

Zwei typische (alltägliche) Szenarien. Einfache Dokumentation – welche Bautenstand war zum Datum x erreicht. Bauzustand oder Schadensaufnahme zu einem bestimmten Datum, um später Veränderungen zu einem anderen Datum belegen zu können oder eben belegen zu können, dass diese bereits vorhanden waren.

Besonders bei dem zweiten endet das ganze zwangsläufig mit ein paar hundert Fotos auf dem Server. Jeder Riss / jeder Schaden bekommt eine Nummer, Länge usw.

Es ist immer eine gute Idee die Bilder zeitnah vorzunotieren. Hier hat vermutlich jeder seine eigene Vorgehensweise entwickelt. So habe ich mit bereits vor Jahren eine Klappkarte gebastelt, die ich einfach immer weiter „flippe“, dass ganze immer links rum, dann wird aus A-01-01 entweder Wohnung-Raum-Wand oder Etage-Raum-Wand. Die einzelnen Punkte eben A-B-C.

Seit einiger Zeit (und eher parallel zu normalen Aufnahmen) um nochmal einen besseren Überblick zu bekommen, setzte ich seit seit einiger Zeit die Insta360 one X2 (Link) ein. Eigentlich eine „Selfi-Kamera“ mit „Selfi-Stick“. Die Fotoqualität ist eher bescheiden, es hilf jedoch ungemein (nach längerer Zeit) sich nochmal in die räumliche Situation reinzudenken und ist auch ausreichend für die eine oder andere „vergessene Aufnahme“.

Von der Firma Hottgenroth / Hottscan flatterte immer mal wieder eine Werbung für den OneShot (Link) den Posteingang. Da ich nun mal etwas technikaffin bin, im Besonderen wenn es um Fotografie geht, war durchaus mein Interesse geweckt.

Viele technische Daten zu dem Gerät bekommt man nicht. Eine allgemeiner Interessenbekundung führte zu einer „online Präsentation“, wo ein freundlicher Herr lässig erklärt, dass es sich um ein Wundergerät handelt, das alles kann. Natürlich hat es hervorragende Kameras eine tolle Auflösung usw. Das es sich um geschultes Verkaufspersonal und nicht um Praktiker handelt, wird spätestes klar, wenn man auf die Frage: „Welche Auflösung haben die Bilder?“ die Antwort: „HDR“ bekommt. Auch bekommt man (oder zumindest in dem Fall) keine Bilddateien zur Verfügung gestellt. Eine Teststellung oder irgendeine Möglichkeit das Gerät selbst zu testen bietet HottScan ebenfalls nicht an, möglich ist eine Leihstellung für eine Woche, die mit satten 500€ recht üppig ausfäll. Hier ein subjektiver Kurztest, vielleicht hilf das dem/der einen Kollegen/in.

Die Vergleichskanidaten:

HotScan OneShot Insta 360 ONE X2
Preis(Netto) 3.999,00 € 411,76 €
Software 119,00 € oder 99,00€ / je / Monat (1. Jahr inkl.) kostenlos
Kameras 6 2
Ausgabe 8192×4096 – jpg 6080×3040 – jpg
Photometrie ja nein

Qualität der Aufnahmen / Ablauf

Im Grunde ähnlich einfach. Auf Stativ stellen – Knopf drücken – fertig.

Insta 360:

Vorlauf einstellen (z.B. 4s wenn gewollt) – Knopf drücken – <1s fertig. Übertragung auf den PC via USB oder per APP und Mobilgerät. Das kann auch als Remotefernbedienung genutzt werden. Das Gerät macht drei Fotos / Belichtungsstufen und verrechnet die zu einem HDR. In der Software liegen immer 4 Aufnahmen vor, die einzeln exportiert werden. Die Verrechnung zu einem 360Grad Panorama erfolgt ohne wahrnehmbare Zeit.

OneShot:

Entweder auf den obersten Knopf drücken – ein Vorlauf ist hierbei nicht einstellbar, will man nicht immer selbst auf dem Bild sein, kann das Gerät per WLAN-Spot und Laptop gesteuert werden. Die Aufnahme selbst dauert ca. 7sek. und maß dann per WLAN vom Gerät auf den Laptop übertragen werden. Praktischerweise erfolgt hier gleiche eine Zuordnung zu einem Raum. Jedoch ist immer jedes Foto ein Raum, zumindest habe ich keine Möglichkeit gefunden einem Raum zwei Fotos zuzuweisen. Hat man die Daten importiert, muss noch das Panorama berechnet werden. Wählt man alle Verbesserungen an – wie bei den folgenden Fotos – dauert dies ca. 3min / Foto. Eine  Exportfunktion gibt es nicht, die Bilder liegen jedoch im lokalen Verzeichnis. Ärgerlich in dem Zusammenhang, es lassen sich einzelne Screenshots machen, diese lassen sich ebenfalls nicht exportieren, sondern nur ausdrucken, so dass man hier auf ein externes Programm zurückgreifen muss.

Detailschärfe

In der Detailschärfe (hier 400% Vergrößerung) macht sich die Auflösung bemerkbar, während der 0,2mm Riss im Abstand von ca. 1,5 m mit dem OneShot noch halbwegs erkennbar ist, ist die bei Insta nur mit Fantasie möglich. JPG Artefakte haben beide, eine RAW-Ausgabe bieten beide nicht Das Ende des Risses oder irgendwelche gesicherten Aussagen über Verlauf sind mit beiden Systemen nicht möglich.

Stiching / Messfunktion

„Out of the Box“ ist das „Stiching“ bei Insta deutlich besser und die Bilder insgesamt harmonischer. Bei OneShot werden die Farben nicht sauber angepasst. Für den Verwendungszweck bei beiden Systemen ausreichend.

Ein Anpassung der (Helligkeit / Iso / manueller Weisaggleich usw.) ist bei der Insta in der App möglich, die OneShot bietet hier keine Möglichkeiten.

Spätere Anpassungen müssen bei beiden außerhalb der Software erfolgen.

Bleibt noch kurz die Messfunktion. Wenn man beim dem Aufstellen einigermaßen aufpasst hat die OneShot über zwei Entfernungsmesser einen Deckenpunkt und einen Wandpunkt, woraus per bekannter Photometrie, wenn die entsprechenden Ebenen eingezeichnet werden sich „wahre“ längen ableiten lassen.

Soweit nichts Neues und bei Fassaden und vereinfachten Aufnahmen durchaus bekannt. Auch mit den daraus resultierenden Problemen. Sieht man die Ecke nicht und kann sich die nicht konstruieren – dann ist „pi * Daumen“ angesagt.

Die Genauigkeit hängt natürlich auch von dem genauen Abgreifen ab, liegt bei einem ersten Test in dem Bereich der bei photometrischen  Auswertungen erwartet werden kann. Ausreichend für eine „vereinfachte Aufnahme“ bei energetischen Berechnungen oder überschlägige Mengen, bei weitem nicht ausreichend für eine Wohnflächenberechnung. Bei den Maßen in dem großen Raum lagen die Abweichungen der Längenmaße bei ca. 2 cm, bei der kleineren Diele waren die Abweichungen deutlich höher. Am extremsten bei der Sturzhöhe die mit ca. 4cm (2,52 zu 2,48 real) schon erheblich abweicht. Systembedingt muss natürlich immer einer Ebene konstruiert werden, was auch nicht immer einfach möglich ist, wenn die Punkte schlecht zu erkennen sind. Leider hat man in der Praxis nicht immer die gut ausgeleuchteten Räume der Präsentationen.

In der Summe kann man von Grobmaßen mit Abweichungen im cm Bereich ausgehen.

„is it any good?“

Baudokumentation

Für die reine Baudokumentation lohnt sich meiner Meinung nach der Mehrpreis und die laufenden Kosten für den OneShot nicht, zumal der Workflow deutlich länger dauert. Hier ist die Insta einfacher – immer dabei und locker ausreichend für eine Dokumentation des Baufortschritts.

Bildqualität

Beide Systeme überzeugen nicht wirklich. Die reine Abbildungsleistung ist beim OS  etwas besser, dafür ist die HDR Anpassung der Belichtung und das Stiching deutlich schlechter. Aus dem mehr von vier Kameras holt die OS keinen Vorsprung raus.

Messfunktion

Die Kernkompetenz der OS, für Massen oder Mengenermittlung, so die Idee. Auf dem etwas plakativen Video geht ein Mensch nach 23sek mit einem fertigen Raummaß und fröhlich grinsend aus dem Raum, während der Mensch mit dem Handlaser nach 202sek völlig fertig ist.
Nach den 23 Sek vor Ort geht der Mensch mit dem OneShot jedoch erstmal an den PC überträgt 2 min die Daten, wartet 2-3 min bis das Panorama erstellt ist, legt 2-3 min Ebenen an (ärgert sich das er manche Punkte nicht bekommt), misst die Punkte auf den Ebenen und überträgt die Messergebnisse dann händisch in seine AVA. Somit steht es eigentlich 383 sek. zu 202sek.
Mit einem vernünftigen Handlaser der P2P kann, ist das ganze sicher deutlich genauer und sicher nicht langsamer realisiert, zudem man beim Verlassen der Baustelle sicher ist alle Maße zu haben. Nimmt man die Ungenauigkeiten hinzu, weil in einer dunklen Ecke einen Punkt nicht genau annehmen kann. Gerade bei kleine Räumen war die Abweichung (trotz sorgfältig gesetzter Punkte) durchaus beachtlich. 40 mm Abweichung auf 250mm sind sind schon eher ein Grobaufmaß,
Da bei energetischen Berechnungen sind sowieso die Außenmaße anzusetzen, hier sehe ich nicht wirklich eine Anwendung.
Für die Übernahme in CAD wären mir die Daten ebenfalls zu ungenau,  das ist jedoch einen andere Anwendung, um die es hier nicht geht. Der erste Eindruck der Software ist eher die eines rudimentären CAD Systems, die Datenübernahme in „echte“ CAD-Softeware habe ich nicht getestet, auch weil die Lizensierung nicht funktioniert hat und mir so nur die DEMO zur Verfügung stand.

Fazit


Für die genaue Bauschadensdokumentation sind beide Systeme nur bedingt geeignet. Für eine begleitende Dokumentation (Überblick) jedoch sehr hilfreich.

Für den Zweck ist die Insta 360 X2 jedoch völlig ausreichend oder das „wenig“ mehr an Qualität rechtfertigt nicht den Preisaufschlag.

Die Messfunktion des OS kann vermutlich für irgendeinen Anwendungszweck  sinnvoll sein. Für ein vereinfachtes Aufmaß im Rahmen einer „Energieberatung“ ist die klassische Photometrie der Fassade deutlich besser geeignet. Für ein Aufmaß der Wohnflächen ist das System zu ungenau, hier ist ein P2P Laser sicher genauer und im gesamten Workflow schneller. Anwendungen kann es vielleicht in anderen Bereichen geben – für eine Baudokumentation oder Aufmaße sehe ich das weniger.